Seitdem herausgefunden wurde, dass das Immunsystem mit der Akute-Phase-Reaktion (=Immunreaktion) der Leber assoziiert und entzündungsrelevante Zytokine (=Proteine, die Wachstum und Differenzierung von Zellen regulieren) durch körperliche Bewegung induzierbar sind, stiegen auch die Forschungsaktivitäten im Bereich „Bewegung und Immunologie“ konstant an. Aus der heutigen Wissenschaft kann aus diesem Grund festgehalten werden, dass Sport abhängig von Belastungsart, -dauer und -intensität einerseits positive andererseits negative Wirkungen auf das Immunsystem und seine Funktionalität haben kann (3). Zu den positiven Effekten von Sport und Bewegung gehört die Aktivierung von natürlichen Abwehrzellen (Granulozyten, Makrophagen und Akute-Phase-Proteinen), die verbesserte Phagozytosefähigkeit (=Unschädlichmachung von Fremdstoffen) und die Entwicklung einer verbesserten Toleranz gegenüber oxidativem Stress (=Transport und chem. Umwandlung von Stoffen durch schädliche Formen des Sauerstoffs) (2).

Die natürlichen Abwehrzellen sind Lymphozyten (=weiße Blutkörperchen), die für das Vernichten von infizierten Zellen zuständig sind. Granulozyten sind am schnellsten zur Stelle und bauen Antigene ab. Makrophagen („Fresszellen“) binden sich anhand ihrer Rezeptoren an Krankheitserreger an. So stehen sie anschließend als „Antigene“ den Lymphozyten zur Verfügung. Des Weiteren erzeugen Makrophagen entzündungs- und schmerzhemmende IL10 (=Zytokin), die bei körperlich aktiven Menschen in höherer Konzentration im Körper zur Verfügung stehen. Die Aufgabe von Akute-Phase-Proteinen ist das Binden an Infektionserregern, um diese für Granulozyten oder Makrophagen kenntlich zu machen. Hierbei kann ebenfalls, abhängig vom körperlich aktiven Lebensstil, die Konzentration unterschiedlich hoch sein. Die Widerstandsfähigkeit gegenüber oxidativem Stress kann durch die erhöhte Aktivität der Enzyme gesteigert werden (2,3).

Es konnte in verschiedenen Studien gezeigt werden, dass regelmäßige moderate körperliche Aktivität einen positiven Effekt auf das Immunsystem hat, währenddessen sehr intensive Ausdauerbelastungen zu Defiziten des Immunsystems führen können. Die positiven Effekte sind v.a. mit einer reduzierten Häufigkeit von Infekten der oberen Atemwege assoziiert. Langandauernde und erschöpfende Ausdauereinheiten führen wiederum zu einer höheren Anfälligkeit in den folgenden 3–5 Tagen für das Auftreten von Erkrankungen und Infekten. Es wird davon ausgegangen, dass Mikroorganismen eine erhöhte Chance haben sich durchzusetzen (3). Die verbesserte Aktivität des Immunsystems durch regelmäßige Bewegung ist epidemiologisch gut belegt (1).

Bei moderatem Ausdauertraining steigt in den ersten 20 Minuten die Anzahl von natürlichen Abwehrzellen und zu einem kleineren Anteil die Monozyten an. Hierbei ist zu beachten, dass die Anzahl der natürlichen Abwehrzellen nicht durch die Vermehrung der Zellen, sondern durch vermehrte Ablösung von den inneren Gefäßwänden ansteigt. Dies wird durch eine Anregung des Katecholamineinflusses (=Hormone) auf das Herzzeitvolumen verursacht. Nach Beendigung der Belastung reduziert sich die Anzahl der natürlichen Abwehrzellen und sinkt sogar knapp unter das Ausgangsniveau und bleibt für einige Stunden auch auf einem niedrigeren Level. Während der Erholungsphase nimmt die Zahl der natürlichen Abwehrzellen wieder das Ausgangsniveau an bzw. bleiben dauerhaft bei regelmäßigen Ausdauertrainingseinheit in ihrer Anzahl erhöht. Im Gegensatz zum den natürlichen Abwehrzellen steigt die Anzahl der Granulozyten erst nach einigen Stunden an und hält sich ca. für einen Tag auf diesem Niveau, um sich dann ebenfalls wieder auf das Ausgangsniveau im Ruhezustand zu reduzieren. Insbesondere im hohen Alter spielt aus diesem Grund die körperliche Aktivität, bezüglich des Immunsystem eine große Rolle, da es im zunehmendem Alter physiologischerweise zu einem Abfall der Lymphozyten kommt (2).

Aerobes Ausdauertraining fördert sowohl die Leistungs- als auch die Regenerationsfähigkeit des Immunsystems. Es kommt zu einer Verminderung der Infektraten und zu einer Herabsetzung der Symptomatiken. Zwischen Ausdauertraining und Immunsystem besteht eine J-förmige Beziehung, sodass moderat ausdauertrainierende Menschen ein niedriges Infektionsrisiko aufweisen, hochintensive Belastungen können das Infektionsrisiko wiederum steigern. Jedoch sind negativ auswirkende Veränderungen auf das Immunsystems durch akute intensive körperliche Anstrengungen bei der Einhaltung ausreichender Erholungszeiten umkehrbar, sofern eine vollständige Regeneration eingehalten wird. Umso besser die aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit bei einem Menschen ist, desto besser ist auch die Regeneration (2).

 

Literatur:
  • Calle, E. E., Rodriguez, C., Walker-Thurmond, K., & Thun, M. J. (2003). Overweight, obesity, and mortality from cancer in a prospectively studied cohort of US adults. New England Journal of Medicine, 348(17), 1625-1638.
  • Mathias, D. (2018). Fit und Gesund Von 1 Bis Hundert. Springer Berlin Heidelberg.
  • Northoff, H., Löffler, M., & Abbasi, A. (2010). Die Wirkung körperlicher Aktivität auf das Immunsystem. In Bewegungstherapie bei internistischen Erkrankungen (pp. 39-50). Springer, Berlin, Heidelberg.